HWS Dr. Pipping

Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Stuttgart

September 2021

Geldwerter Vorteil

Firmenwagenbesteuerung während der Coronapandemie

In der Praxis herrscht Unsicherheit über die Besteuerung des geldwerten Vorteils aus einer Firmenwagenüberlassung für Fahrten zur Arbeit, wenn der Arbeitnehmer etwa aufgrund einer Tätigkeit im Homeoffice wegen der Corona-Pandemie in einem Monat nur wenige oder gar keine solchen Fahrten durchgeführt hat.

Die Finanzverwaltung will die Einzelbewertung nach der 0,002-%-Regelung als einzige Alternative zur monatlichen 0,03%-Regelung zulassen. Wird die Einzelbewertung nicht angewendet, weil jährlich mehr als 180 Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte durchgeführt werden, gilt Folgendes: Laut Fiskus soll es auch dann bei der Anwendung der 0,03-%-Regelung bleiben, wenn das Fahrzeug tatsächlich für volle Kalendermonate nicht für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt wird. Dies soll auch dann gelten, wenn der Arbeitnehmer den Betrieb des Arbeitgebers wegen einer Betriebsschließung aufgrund der Corona-Pandemie einen vollen Kalendermonat nicht aufsucht oder einen vollen Kalendermonat in Urlaub oder krank ist, ins Ausland abgeordnet wurde oder sich auf einer längeren Fortbildungsveranstaltung befindet.

Beispiel: Der Arbeitgeber stellt seinem Arbeitnehmer für Privatfahrten und Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte einen Firmenwagen zur Verfügung. Wegen der Corona-Pandemie ist der Betrieb im Mai 2021 geschlossen. Fahrten des Arbeitnehmers zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte finden nicht statt. In der übrigen Zeit des Jahres führt der Arbeitnehmer an 192 Tagen mit dem ihm zur Privatnutzung überlassenen Firmenwagen auch Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte durch.

Die Finanzverwaltung wendet für den Monat Mai 2021 die 0,03-%-Regelung an, obwohl der Arbeitnehmer nachweislich keine Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte durchgeführt hat.

Der Arbeitnehmer sollte sich für den Monat Mai gegen die Anwendung der 0,03-%-Regelung wehren. Seine Erfolgsaussichten im Fall eines Rechtsstreits stehen gut, da für den Monat Mai wegen der fehlenden Wege zur Arbeit keine Entfernungspauschale geltend gemacht werden kann. Damit bedarf es nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs auch keines Korrekturpostens in Form des Ansatzes der 0,03-%-Regelung.

Dr. Hanns-Georg Pipping, Rechtsanwalt
HWS Dr. Pipping Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Stuttgart, September 2021

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